
Basilika St. Ägidius in Bardejov: gotische Kirche der Flügelaltäre
Die Basilika St. Ägidius (Bazilika svätého Egídia) bildet den nördlichen Abschluss des Rathausplatzes von Bardejov in der Region Šariš im Nordosten der Slowakei. Die dreischiffige gotische Kirche, deren Bau Mitte des 14. Jahrhunderts begann, ist das wertvollste Denkmal der Stadt und eine der schönsten Sehenswürdigkeiten im Osten des Landes.
Elf spätgotische Flügelaltäre stehen noch dort, wo mittelalterliche Meister sie aufgestellt haben, in einer Kirche, die fünf große Brände, ein Erdbeben und Bomben im Jahr 1944 überstanden hat.
Die Geschichte der Basilika St. Ägidius
Die Geschichte beginnt im frühen 13. Jahrhundert. Um 1206 ließen sich hier Zisterziensermönche aus dem polnischen Koprzywnica nieder und gründeten ein dem heiligen Ägidius geweihtes Kloster. Eine königliche Urkunde von Béla IV. aus dem Jahr 1247 enthält die erste schriftliche Erwähnung einer Kirche in diesem Gebiet, doch die Mönche verließen den Ort schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts besiedelten deutsche Kolonisten das verlassene Land. Aus einer Urkunde Karl Roberts von Anjou von 1320 geht hervor, dass hier bereits ein Pfarrer wirkte, und 1352 erlaubte Ludwig der Große einen jährlichen Markt nach dem Tag des heiligen Ägidius.
Der Bau der heutigen Kirche begann in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Hauptschiff und Seitenschiffe waren 1415 fertig, der Turm entstand zwischen 1420 und 1427. 1427 wird das Gebäude als dreischiffige Basilika mit einfachen Arkaden beschrieben. 1448 begann der Stadtrat mit einer Erweiterung. Der königliche Baumeister Stefan von Kaschau, der auch am Elisabethdom in Košice mitgewirkt hatte, fügte einen großen Chor, eine Sakristei und eine Empore hinzu, die als Katharinenkapelle und später als Oratorium König Matthias’ bezeichnet wird. 1464 schloss er den Chor mit einem neuen Gewölbe ab und baute 1465 das einzigartige steinerne Sakramentshaus. Meister Jakob aus Sącz schuf 1466 den gotischen Hochaltar, und zwischen 1482 und 1486 entstanden unter dem örtlichen Meister Urban drei Kapellen an der Südseite. Der Turm wurde bis in die 1490er Jahre vollendet.
Die folgenden Jahrhunderte waren hart für die Kirche. Brände trafen sie 1550, 1577, 1640, 1774 und 1878, ein Erdbeben ließ 1725 den Turm einstürzen, ein weiteres riss 1836 die Mauern auf, und 1944 wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff beschädigt. Nach dem Brand von 1774 stand die Kirche bis 1898 ohne Turm da. In der Reformationszeit diente sie ab 1527 vor allem der deutschsprachigen Bürgerschaft, die sich dem neuen Glauben zuwandte, und wurde wieder katholisch genutzt, nachdem kaiserliche Truppen die Stadt 1710 zurückerobert hatten.
Nach dem großen Brand am Ostermontag 1878, bei dem fast die ganze Stadt niederbrannte, begann eine umfassende Restaurierung unter den Architekten Imre Steindl und später Frigyes Schulek. Im Geist des Purismus entfernten sie Renaissanceumbauten und ersetzten sie durch neugotische Formen, vollendeten den Turm und stellten einen neuen neugotischen Hochaltar und eine Kanzel auf. Die Arbeiten dauerten etwa zwanzig Jahre und gaben der Kirche ihr heutiges Aussehen. Eine große Sanierung folgte von 1986 bis 1999. Im Jahr 2000 erhob Papst Johannes Paul II. die Kirche zur Basilica minor, und im selben Jahr wurde sie als Teil der Altstadt von Bardejov in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Wissenswertes über die Basilika St. Ägidius
- Elf spätgotische Flügelaltäre aus der Zeit von 1460 bis 1520 stehen noch an ihren ursprünglichen Plätzen, was im europäischen Maßstab als außergewöhnlich gilt.
- Der Turm ist 76 Meter hoch und gehört zu den höchsten Kirchtürmen der Slowakei, auch wenn seine heutige neugotische Form vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt.
- Die Glocke Urban, 1584 von Johann aus Tarnów gegossen, wiegt etwa vier Tonnen und gehörte zu den größten der Slowakei. 1990 sprang sie gemeinsam mit der Glocke Ján.
- Flurnamen erinnern noch an die Zisterzienser: Mönchsbach, Klosterwiesen und ein Stadtteil mit dem Namen Hinter dem Paradies.
- Der Altar der Geburt Christi wird dem Umkreis der Krakauer Werkstatt von Veit Stoß zugeschrieben, die Kalvariengruppe stammt von Paul von Leutschau.
- Die Marienkapelle entstand 1483 mit dem Geld von Veronika, der Witwe des Kaufmanns Peter Mager, und wird deshalb manchmal auch als ihre Kapelle bezeichnet.
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Besuch der Basilika St. Ägidius
- Die Kirche steht an der Nordseite des Rathausplatzes; der Haupteingang liegt auf der Südseite, eingerahmt von den Kapellen der Jungfrau Maria, der heiligen Elisabeth und des heiligen Andreas.
- Im Inneren sollte man auf die Flügelaltäre, das steinerne Sakramentshaus am Ende des Hauptschiffs, die Kalvariengruppe am Triumphbogen und die Netzgewölbe des Chors achten.
- Fassade und Turm sieht man am besten vom Platz aus; die Südseite schmückt eine steinerne Figur des heiligen Florian.
- Die Kirche gehört zur UNESCO-Altstadt und lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die umliegenden Gassen verbinden. Aktuelle Öffnungszeiten und Besuchsregeln sollten Sie vorab prüfen.
- Weitere Orte dieser Seite in der Nähe sind die Burg Zborov in etwa 7 km Entfernung und die Burg Šariš in etwa 28 km Entfernung.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Basilika St. Ägidius
Fotos: Basilika St. Ägidius





Fragen
Wo liegt die Basilika St. Ägidius und wie kommt man hin?
Sie steht am nördlichen Ende des Rathausplatzes im Zentrum von Bardejov im Nordosten der Slowakei. Vom Rest der Altstadt aus ist sie bequem zu Fuß zu erreichen.
Was macht die Basilika St. Ägidius so besonders?
Sie bewahrt elf spätgotische Flügelaltäre aus der Zeit von 1460 bis 1520 an ihren ursprünglichen Plätzen, was in Europa außergewöhnlich ist. Zudem ist sie ein Meisterwerk der Spätgotik in der Ostslowakei.
Wie alt ist die Basilika St. Ägidius?
Eine erste Kirche ist 1247 belegt, der heutige Bau wurde Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen. Das Hauptschiff war 1415 fertig, und im 15. Jahrhundert wurde die Kirche erweitert.
Wie hoch ist der Turm der Basilika St. Ägidius?
Der Turm ist 76 Meter hoch und damit einer der höchsten Kirchtürme der Slowakei. Seine heutige Gestalt geht auf die neugotische Vollendung im späten 19. Jahrhundert zurück.
Gehört die Basilika St. Ägidius zum UNESCO-Welterbe?
Ja, sie ist Teil des historischen Zentrums von Bardejov, das im Jahr 2000 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Im selben Jahr erhielt sie den Titel einer Basilica minor.
Was geschah 1878 mit der Kirche?
Ein Brand am Ostermontag 1878 zerstörte fast die ganze Stadt und beschädigte auch die Kirche schwer. Die anschließende Restaurierung unter Imre Steindl und Frigyes Schulek gab ihr das neugotische Aussehen.
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